
(auf das Bild klicken, um zur spannenden SPIEGEL-Reportage "König Laurins Rückkehr" vom Oktober 1955 zu gelangen)
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Italiens Staatsrat Innocenti fand am 13. August in Rom unter seiner Post einen von einem gewissen Arturo Nicolodi mit "cordialmente" unterschriebenen Brief vor, der ihn freundlichst einlud, am 24. August um zehn Uhr vormittags in Bozens "Eden Kino" zu erscheinen.
Innocenti ist Verfasser des jetzt geltenden Autonomie-Statuts für Südtirol und verantwortlicher Sachverständiger der italienischen Regierung für dieses Gebiet. Jener Nicolodi kitzelt ihn und die Regierung seit Jahren mit peinlichen Fragen über Recht oder Unrecht der italienischen Politik in Südtirol. Daß Nicolodi, Jahrgang 17, selbst Italiener ist, dürfte für die Regierung dabei das Peinlichste sein.
Ein interessante wiewohl kuriose Geschichte aus dem SPIEGEL-Archiv (Titelbild SPIEGEL Nr. 36/1952)
Am Sonntag, dem 24. August, um zehn Uhr war der Kino-Saal in Bozen von 400 Volksdeutschen aus Bozen und Meran, aus Brixen und Graun, aus Branzoll und Trient gefüllt. Nicolodi wartete noch eine Viertelstunde und stellte dann fest, daß weder der geladene Staatsrat Innocenti noch der ebenfalls eingeladene Kommissar der italienischen Regierung für Südtirol, Signor Bizia, noch der Regierungsvizekommissar Benussi, noch einer der Südtiroler Senatoren, Abgeordneten oder Regional-Räte anwesend war.
Feuerte Nicolodi unter tosendem Beifall der Vierhundert in die Versammlung: "Die eingeladenen Herren haben durch ihre Abwesenheit bewiesen, daß sie nicht den Mut haben, dem wichtigsten politischen und sozialen Problem unserer Region ins Gesicht zu blicken."
Als die "großen Vier" im September 1946 Südtirol endgültig Italien zusprachen, machten sie der italienischen Regierung die Zwangsauflage, dem Gebiet weitgehende Autonomie-Rechte zu gewähren. Die sahen dann in der Praxis so aus:
* Den 60 000 unter Hitler zwangsumgesiedelten deutschen Südtirolern wurde die Rückkehr gestattet, falls sie den Beweis erbringen konnten, in ihrer alten Heimat Wohnung und Arbeit zu finden. Über 50 000 alten Südtirolern ist dieser Nachweis bis heute nicht gelungen, da sie; um Wohnung und Arbeit zu finden, erst einmal einreisen müßten.
* Den unter Hitler noch nicht evakuierten Südtirolern wurde die deutsche Staatsbürgerschaft, für die sie seinerzeit optierten, wieder abgesprochen, aber auch die italienische Staatsbürgerschaft nicht wieder zurückgegeben. Etwa 1000 Personen fallen unter diese Bestimmungen. Man nennt sie heute in Südtirol die "schwarzen Schafe".
Der römischen Rechtslogik gelang es nun, für diese tausend "schwarzen Schafe" noch eine Sonderschur auszuknobeln. Dadurch wurden ihre Bürgerrechte um eine Stufe tiefer als die der Staatenlosen gedrückt.
Auf ausdrücklichen Wunsch und nach langwierigen Formalitäten stellt nämlich das Innen-Ministerium in Rom den Optanten eine Identitätskarte aus. Auf ihr ist fett vermerkt, daß dieser Paß nicht als Staatenlosen-Ausweis gilt.
Die offizielle Begründung dieser Maßnahme besagt, daß die Optanten deutsche Staatsbürger (was sie nach dem Autonomie-Status ausdrücklich nicht sind) und nicht Staatenlose seien. Von der alliierten Entscheidung, daß allen Volksdeutschen ihre frühere Staatsangehörigkeit automatisch entzogen wurde, wollen die italienischen Behörden nichts wissen. Sie haben damit den Dreh gefunden, den "schwarzen Schafen" auch das Recht auf den Nansen-Paß zu nehmen, den alle Staatenlosen beanspruchen können.
Gegen alle diese Zustände opponiert nun der Europäer in dem Italiener Nicolodi. Es drehte ihm seinen europäischen Magen um, als er in seiner Heimat die Schikanen der italienischen Volkstumspolitik in Südtirol mit ansehen mußte. Seine europäische Reaktion ließ nicht lange auf sich warten.
Das Schicksal der Südtiroler, meinte Nicolodi, sei nur eine Variante des großen Schicksals, das auch die Basken und Schotten, die Elsässer und Saarländer, die Bretonen, Walliser, Wallonen und Triester erleiden müssen.
Also gründete Nicolodi Anfang 1948 die föderalistische Bewegung "Neues Europa" in Südtirol und meinte, daß besonders dessen Bewohner für seine Ideen Verständnis haben müßten.
Ende September 1949 plante er einen Kongreß in Meran, an dem alle entrechteten und unterdrückten Europäer teilnehmen sollten. Zusagen kamen auch aus allen Richtungen in Bozens Neu-europäischem Büro an. Doch den italienischen Behörden paßte die Sache nicht. Nicolodi, Verteidiger aller Schikanierten, wurde über Nacht selbst zum Schikanierten. Zehn Tage vor Eröffnung des Kongresses wurde die Versammlung ohne jede Begründung von den italienischen Behörden des Europäers de Gasperi untersagt.
Einen größeren Dienst konnten sie Nicolodi wohl kaum erweisen. Als der Kongreß im November 1949 statt in Meran in Versailles abgehalten wurde, war Nicolodi der unbestrittene Held des Tages. Selbst der Bayer Baumgartner begab sich nach Versailles, um die unterdrückten Bayern mit den unterdrückten Schotten und den unterdrückten Südtirolern zu verbinden.
Unter Europas grüner Fahne organisierte Nicolodi nach seiner Rückkehr erneut den Krieg gegen die italienischen Behörden. Nur die Südtiroler blieben ihm gegenüber reserviert. Die zogen es vor, sich um die Südtiroler "Volkspartei" zu scharen, um den Italienern der "Democrazia Cristiana" so gut es ging Gleichgewicht zu bieten.
Die tausend "schwarzen Schafe" fanden nirgends Anschluß. Ihnen wollte keiner helfen, obwohl sie als Propaganda-Argument allen sehr willkommen waren.
Kein Wunder, daß, als Nicolodi fünfzig dieser ehemaligen Optanten eingeladen hatte, um mit ihm zusammen einen europäischen Ausweg aus ihren Schwierigkeiten zu erforschen, alle fünfzig kamen.
Durch diesen ersten Erfolg ermuntert, wurden tausend Einladungen für den 18. Juni 1950 ausgesendet, und die fast vollständig erschienenen "schwarzen Schafe" benützten die Gelegenheit dieser Zusammenkunft, um eine Zweckgemeinschaft zu gründen und auf Nicolodis Vorschlag drei offizielle Vertreter zu erwählen.
Den "schwarzen Schafen" Joseph Anton Sanoner aus St. Ulrich, Franz Runge aus Meran und Franz Mayrgündter aus Bozen wurde das allgemeine Vertrauen ausgesprochen, und mit diesem Mandat ausgerüstet reisten sie am 27. September 1950 nach Rom, um bei der Regierung vorzusprechen. Am 16. Juni 1951 reisten sie zum zweitenmal nach Rom, und am 5. Februar 1952 traten sie sogar die dritte Reise an.
Die Resultate waren mager. Bei der dritten Reise wurden sie vom Staatsrat Innocenti angehört, der ihnen mit Entschiedenheit erklärte, daß das Optantengesetz beibehalten werden wird.
Nicolodi und die "schwarzen Schafe" waren von dem Ergebnis enttäuscht. Am meisten aber erbitterte sie die Weigerung der bestehenden Parteien, ihnen in ihrem Kampfe beizustehen. Nicolodi war überzeugt, daß die Bevölkerung über den Fall der abgewiesenen Optanten anders denkt, als die von ihr gewählten Volksvertreter. Das mußte allerdings bewiesen werden, und die Gemeindewahlen, die am 25. Mai 1952 in der Ortschaft Branzoll abgehalten wurden, schienen dafür eine gute Gelegenheit zu bieten.
Neben der Liste der "Südtiroler Volkspartei" und der Liste der "Democrazia Chistiana" stellte Nicolodi den 1800 Bewohnern von Branzoll eine Liste "Neues Europa" zur Verfügung. Die Wahlpropaganda wurde ihm durch die Polizei nicht leicht gemacht. In Branzoll selbst hatte er zwar die volle Freiheit, die im italienischen Wahlgesetz fest verankert war. Außerhalb von Branzoll fand aber die Polizei an seinen Flugzetteln sehr vieles auszusetzen und verbot ihm kurzerhand die Verteilung.
Nicolodi verteilte trotzdem, und die Polizei griff erfreut nach dieser Gelegenheit, um ihn für die Dauer des Wahlkampfes einsperren zu lassen. Nach § 113 der Polizeiverordnung aus der Faschistenzeit, deren Außerkraftsetzung vorsorglicherweise unterlassen wurde, und die der Polizei ein unumschränktes Recht der Zensur verleiht, erhob der deutschstämmige Staatsanwalt Dr. Dorner am 10. Mai in Klausen bei Bozen gegen Nicolodi die Anklage und bat den italienischen Richter Niutta, den Angeklagten exemplarisch zu bestrafen.
Richter Niutta paßte § 113 nicht. Er begnügte sich mit dem viel milderen § 650, der Geldstrafen in einfachen Fällen der Gehorsamsverweigerung gegenüber der Polizei vorsieht, sprach den Angeklagten von der Anklage nach § 113 frei und bat ihn, nach § 650 eine Geldstrafe von 20 000 Lira (134 DM) zu bezahlen. Die Wahlpropaganda, die Nicolodi aus dieser Strafe schöpfen konnte, war ihm 20 000 Lira wert, was ihn allerdings nicht hinderte, Berufung einzulegen.
Am Abend des 25. Mai 1952 wurde der große Sieg gefeiert. Zum erstenmal in Südtirols schmerzhafter Geschichte gaben Deutsche und Italiener ihre Stimmen für die gleiche Liste. Zum erstenmal in der Geschichte Südtirols passierte es, daß der Italiener Armando Brunori und der Deutsche Benjamin Scrinzi sowie zwei andere Gemeinderäte, von denen überhaupt niemand wußte, ob sie nun Italiener oder Deutsche sind, durch die gleichen Wähler ihr Mandat erhielten. Zwar wählten die Branzoller neben den vier "Neuen Europäern" noch immer sechs "Südtiroler Volksparteiler" und zwei Kandidaten der "Democrazia Christiana", aber der Erfolg der Nicolodi-Leute blieb trotzdem eklatant. So eklatant, daß Brunori, Scrinzi und Genossen von Nicolodi angestachelt zum Postamt eilten, um Telegramme nach Bonn, Rom, Paris und Straßburg aufzugeben.
Den Parlamenten in Bonn, Rom und Paris wurde mitgeteilt: "Die Gemeinderäte von Branzoll, die im Namen der europäischen Fahne und des Föderalismus gewählt wurden, fordern die Vertreter des französischen, deutschen, italienischen Volkes auf, europäische Wahlen auszuschreiben."
Aber auch die stimmenlosen "schwarzen Schafe", von denen es nur ein einziges in ganz Branzoll gibt, wurden nicht vergessen. Ein weiteres Telegramm ging am gleichen Abend an das Parlament in Rom ab: "Die im Namen der europäischen Fahne und des Föderalismus gewählten Gemeinderäte von Branzoll ersuchen die Abgeordneten, den in Italien lebenden abgewiesenen Optanten als konkreten Beitrag zur Überwindung der sprachlichen und ideologischen Verschiedenheit die italienische Staatsbürgerschaft zu verleihen."
Dieses letzte Telegramm empfand man in Rom als sehr unbehaglich. Der erste Eindruck wurde noch dadurch verstärkt, daß schon am 22. Juni Nicolodi sein Rundschreiben
Nr. 10 erließ und in Tausenden von Exemplaren zur Versendung brachte. Er proklamierte darin seine Absicht, bei den kommenden Novemberwahlen mit einer Deutsch-Italienischen Europaliste in ganz Südtirol zu kandidieren.
Die "schwarzen Schafe" mußten in Südtirol verschwinden und man klügelte in Rom sehr lange, bis ein eleganter Weg gefunden wurde.
Am 1. Juli 1952 wurde den "schwarzen Schafen" mitgeteilt, daß es ihnen freisteht, sich gleich allen anderen "Ausländern", die seit fünf Jahren in Italien leben, um die italienische Staatsbürgerschaft zu bewerben. Bedingung: die noch laufenden Berufungen gegen die Ausbürgerung müssen zuerst zurückgezogen werden. Nur wer die "Gerechtigkeit" seiner Ausbürgerung stillschweigend anerkennt, kann wieder eingebürgert werden.
Den Paradehieb schlug Nicolodi in der Versammlung vom 24. August: "Ihr würdet dadurch auf Lebensdauer als Verbrecher von Südtirol abgestempelt werden. Man will Euch opfern, um sich selbst durch dieses Opfer reinzuwaschen. Man will Euer Problem beseitigen, aber die Tatsache Eurer Schuld bestehen lassen. Neues Europa kann nur entstehen, wenn man die alten Rechnungen in Vergessenheit geraten lassen wird, und aus diesem Grunde fordern wir Eure Einbürgerung ganz automatisch."
Einen richtigen "Knolleffekt" gab es dann, als der am 29. März 1884 in Meran geborene "Ausländer" August Knoll sein mit einem Franz-Josephs-Bart geschmücktes Kinn erhob, um eine kleine Schilderung vom alten Europa von sich zu geben. Zum schwärzesten aller schwarzen Schafe wurde er, sein Sohn Hugo und Tochter Lina am 30. April 1945, als einige Italiener vor seinem Haus um einige Stunden zu früh den Sieg gefeiert hatten.
Deutsche Soldaten eilten herbei und acht der Feiernden bezahlten die Feier mit dem Leben. August und Hugo erhielten je dreißig Jahre Kerker und die Tochter lebenslänglich, weil man sie beschuldigte, die Feiernden angezeigt zu haben. Die Tatsache, daß der am 28. Juli 1928 geborene Sohn Hugo am Tage der ihm vorgeworfenen Tat noch nicht einmal siebzehn Jahre alt war, störte die Gerichte nicht.
Vater Knoll saß drei Jahre ab und wurde dann amnestiert Sohn Hugo und Tochter Lina sitzen noch heute im Gefängnis - laut Knoll unschuldig.
Die italienische Presse benützte den Fall Knoll, um zu beweisen, daß Nicolodi Verteidiger von größten Verbrechen sei. Doch ob Knolls schuldbeladen sind oder ganz schuldlos, das interessiert Nicolodi nicht. Die Entscheidung und die Verantwortung überläßt er gerne den Gerichten. Was er verlangt, ist radikale Ausradierung der Vergangenheit, damit nicht auf diesem dankbaren Boden neue Blumen des Hasses von Morgen wachsen sollen. Unter diesem Motto bat er die versammelten "schwarzen Schafe", ihn mit der Vertretung ihrer Interessen zu betrauen.
Zum Zeichen der Zustimmung flogen vierhundert rechte Hände in die Höhe. Nicolodi verließ die Versammlung und hastete zum Telegrafenamt, um Ministerpräsidenten Alcide de Gasperi, Villa Romani, Sella Valsugana (Südtirol) diese Neuigkeit mitzuteilen. De Gasperi verbringt dort seinen Sommerurlaub, aber trotz des Urlaubs bittet Nicolodi um eine unverzügliche Audienz, um den Wunsch der "schwarzen Schafe" nach einer Lösung ihres Problems im europäischen Geiste zu verlangen. Nicolodis letztes Fragezeichen an den Europäer de Gasperi lautet, ob er für Europa spricht oder für Europa handeln will?
"Il Federalista De Gasperi visto da Bolzano - der Föderalist de Gasperi von Bozen aus gesehen", steht auf den großen grünen Plakaten aufgeschrieben, in denen Nicolodi die Einwohner von Trient zu einer Massenversammlung aufruft. In dieser Massenversammlung wird er von den kommenden Novemberwahlen sprechen, die er zu gewinnen fest entschlossen ist. Nicolodi prophezeit: "Das Saargebiet soll durch den Willen der Regierungen scheineuropäisch werden - Südtirol wird durch den Willen der Bevölkerung europäisiert."
16.10.2000
Mich packt die Tristesse
Von Walter Mayr
Der Bergsteiger Reinhold Messner über seinen Kampf gegen das Bozner Machtkartell aus Presse und Politik
SPIEGEL: Herr Messner, was stört Sie an Südtirol?
Messner: Probleme schaffen hier die Südtiroler Volkspartei und die Zeitung "Dolomiten", die ein Machtkartell bilden. Die Leute auf der Straße sagen einfach nur "die Partei" und "die Zeitung" und jeder weiß, wer gemeint ist. Wie damals in der DDR.
SPIEGEL: In Südtirol gibt es freie Wahlen.
Messner: In der DDR wurde auch gewählt. Aber es gab nur eine Partei. Genauso ist es in Südtirol. Unsere Leute sind fast alle abhängig von diesem System. Und wer abhängig ist, darf keine unabhängige Meinung haben.
SPIEGEL: Was werfen Sie den politischen Größen und den Meinungsmachern vor?
Messner: Es gibt in Südtirol keinen Wettbewerb der Ideen. Zwischen "Partei" und "Zeitung" gibt es eine stillschweigende Übereinkunft, sich gegenseitig zu stützen. Die Anpasser machen Karriere, und Leute, die gefährlich sein könnten, die anders denken, werden systematisch ausgegrenzt oder lächerlich gemacht. Als ich 1978 vom Everest nach Südtirol zurückkam, habe ich gesagt, ich hab's nicht für Südtirol getan, sondern für mich. Seitdem bin ich der Heimatverräter, der Nestbeschmutzer.
SPIEGEL: Sind Sie vielleicht empfindlicher geworden? Der "Dolomiten"-Verleger Ebner nennt Sie einen alternden Helden, der auch nicht mehr auf jeden Berg hinaufkommt.
Messner: Damit habe ich keine Probleme. Ich sage seit fünf Jahren, dass ich nicht mehr mit jungen Kletterern mithalten kann.
SPIEGEL: Sie werfen den Südtirolern, Ihren Eltern inklusive, bis heute vor, für Hitler die Heimat verraten zu haben. Ist Ihr Konflikt mit den Landsleuten auch eine verspätete Abrechnung mit der Familie?
Messner: Nein. Aber es stimmt, mein Vater und meine Mutter haben 1939 auch fürs Auswandern optiert. Mein Vater war sogar Mitorganisator der Auswanderungsbewegung ins Reich. Ich habe später zu ihm gesagt: Trotz der viel gerühmten Heimatliebe der Südtiroler wärt ihr einfach ins Deutsche Reich ausgewandert. 86 Prozent der Südtiroler waren Optanten.
SPIEGEL: Und denen treten Sie mit schöner Regelmäßigkeit auf die Zehen.
Messner: Man hat mir deswegen Fäkalien geschickt. Und mich angerufen: Dich erschießen wir, dich bringen wir um. Ich habe geantwortet: Die Südtiroler sind sogar dazu zu feige.
SPIEGEL: Was macht Sie gerade jetzt so wütend?
Messner: Immer wenn ich, wie zuletzt im August, aus dem Himalaja zurückkomme, bin ich feinfühliger für Ungerechtigkeiten, und "die Zeitung" ist voll davon. Da packt mich dann die Tristesse, und ich wehre mich. Ich habe öfters darüber nachgedacht zu gehen. Ich denke auch jetzt daran wegzugehen. Die Verzweiflung ist viel größer, als die Leute meinen.
SPIEGEL: Wohin werden Sie sich absetzen?
Messner: Ich wollte bleiben, bis mein Mandat in Straßburg 2004 zu Ende geht. Aber ich kann auch sofort weg. Auf und davon, es gäbe da noch ein paar Plätze in Südamerika, in Argentinien, gegen die Anden hin, zwischen Patagonien und Bariloche.
SPIEGEL: Dort treffen Sie wieder alte Nazis.
Messner: Ich weiß, ich weiß. Aber die sind am Aussterben.
SPIEGEL: Warum glaubt Ihren Auswanderungsdrohungen keiner so recht?
Messner: Weil alle wissen, dass mir das Land am Herzen liegt. Ich habe eine Vorstellung von einer Zukunft in Südtirol, und ich bin überzeugt, sie ist nicht die schlechteste. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich diesen Kampf für ein offeneres Land auch von draußen fortführe.
SPIEGEL: Was passiert, wenn es nicht gelingt, das Kartell aus Politik und Medien zu brechen?
Messner: Es wird zu keiner Revolution kommen, auch zu keiner Explosion. Südtirol implodiert am Ende. Vielleicht in der Nach-Durnwalder-Zeit.
INTERVIEW: WALTER MAYR
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Daniel Häni habe ich bei einem Grundeinkommensseminar in Bozen kennen gelernt, das ich während meiner Tätigkeit für den EU-Parlamentaries Sepp Kusstascher organisieren durfte. Er war mit Enno Schmidt angereist, um im Filmclub der Uraufführung seines Films "Kulturimpuls Grundeinkommen" mit italienischen Untertiteln beizuwohnen und die daran anknüpfende Diskussion zu führen. Es war ein spannender Abend, den ich hier im Blog bereits geschrieben habe.
Michael Kerbler, ein unwahrscheinlich versierter und breit informierter Redakteur des phänomenalen Kultursenders Ö1, hat nun auch Daniel Häni durch ein ausführliches Interview in die Reihe der großen Köpfe unserer Zeit aufgenommen.
Hier das Gespräch.
Ich bin bereits restlos davon überzeugt, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen unsere Gesellschaft nachhaltig in Richtung von mehr Gerechtigkeit, Ressourcenschonung und Solidarität verändern kann.
Hört Euch das Gespräch mit Daniel Häni an. Dann werdet auch Ihr Lust bekommen, an der Gestaltung unserer Zukunft mitzuarbeiten.
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Ein lieber Freund hat mir ein bemerkenswertes Dokument übermittelt. Es bezieht sich auf die Werbung für das "Gesamttiroler Merkheft" der Bewegung "Südtiroler Freiheit".
Knoll, Klotz und Co. suchen damit einen Weg in die Schulen, nachdem es in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit Schülern gab, die patriotische Statements auf T-Shirts und Aufklebern in die Schule brachten.
Während die Atom-Abzocker gerade ihr Wunschkonzert abhalten und von eifrigen Polit-Ministranten sekundiert werden, arbeiten sie auch mit Volldampf an der Gewinnung von Energie aus den Gezeiten und Meeresströmungen. Die Abschaltung der Atommeiler wie sie im richtungsweisenden Trittin-Gesetz geregelt ist, würde die Entwicklung innovativer Energie-Erzeugungstechnologien kräftig fördern, wetten?
ZEIT online gibt Einblick in den Stand der Technik.
Auf Spiegel online habe ich eine sehr fundierte und anschaulich aufbereitete Dokumentation zum Thema Windenergie in der Nordsee gefunden. Um "Videospezial Energie" wurden verschiedene kurze Videos zusammengestellt, die sich mit den wichtigsten Aspekten der Windparks in der Nordsee auseinandersetzen - wie immer bei SPIEGEL online gut recherchiert und sauber gedreht und geschnitten.
Das gibt's bei uns nicht! Oder?
Vor rund zehn Tagen habe ich in meinem Lieblingssender Ö1 eine Reportage über die Expansionspläne und -schritte der deutschen Buchhandelskette THALIA in Österreich gehört. Im Mittelpunkt der Sendung stand die aggressive Vorgangsweise des deutschen Konzerns in Steyr und eine Idee von Frau Ennsthaler, deren Umsetzung ungeahnte Folgen hatte.
Heute greift SPIEGEL online das Thema auf und berichtet über die rüden Geschäftsmethoden des Goliaths THALIA gegenüber dem Steyrer Familienunternehmen, Traditionsbuchhändler und Verlag Ennsthaler.
(anklicken, um zum Artikel zu kommen)
Durch massiven Druck besorgter Internet-Communities musste THALIA inzwischen klein beigeben - vorerst zumindest. Dass es so weit kommen konnte verdanken die Ennsthalers unter anderem auch Bloggern wie Helge Farhnberger, die die Meinungsbildungsmaschine im Internet in Gang brachten.
(anklicken, um zum Blog von Helge Fahrnberger zu gelangen)
Rauhe Sitten im Buchhandelsgewerbe. Gottseidank gibt's das nur im bösen Ausland...